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WAR
es ein Alptraum? Es
WAR immer schon WAhR: Krieg Schien es nicht unWAhR? |
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Un-Wahr.
Unsere Alpträume gehen jeden etwas an – denn jeden kann es TREFFEN.
Un-Menschlich. Gänge
Wege Auswege; der Diktator wurde ermordet, die Revolution bricht aus.
Das Massaker lebt, feiert die Leiche; und lebet und tötet und tötetetetet.
Wir fliehen vor den Maschinengewehren... Die
Schatten holten uns ein, so begann es... wir suchten, das Land, das
nicht unseres war, zu verlassen. Der abgesetzte Diktator hatte schon
seine Flucht vorbereitet. Wir flogen dicht über der Stadt, hatten die
Grenze beinah erreicht, ganz nah die Grenze... geschafft?
Menschenaufruhr. Unter uns liefen die Menschen in Aufregung voller Angst
herum, sie liefen auf ein Gebäude zu; auf den Flachdächern schrieen
Menschen, zeigten.... und über den Dächern der Stadt sah ich die
Helikopterschatten, die sich uns näherten, uns einholten, und zum
Landen zwangen. Aber zuvor sah ich noch etwas, auf dem Flachdach, wohin
sich die Schreie, die Aufregung konzentrierte, wo ein Schwarm
Hubschrauber landete: Ein Haufen blutender Eingeweide, ein zerrissener Körper,
kein Körper mehr, Teile davon, Gedärme, schwimmend im eigenen Blut.
Der Überrest des Diktators. Wir
flüchteten in unterirdische Gänge. Fackelbeleuchtet.
Maschinengewehrsalven hinter uns. Würden wir uns retten... aus dieser Hölle... Gefangengenommen,
herumgerissen, gestoßen, geschlagen... blutende Spuren... Erwachen
in einem dunklen Gewölbe... scheinbare Stille. Wo sind wir. Das
Leben geht weiter. Dieses dunkle Dasein in diesen Mauern ist unseres.
Jetzt ausweglos. Wir leben. Wir schlafen. Eine Fackel leuchtet aus dem
Nebenraum zu uns herüber, dort ist etwas, jemand? Es
ist zu dunkel, um ihn zu erkennen; seine Stimme ist menschlich, so
menschlich, mit einem Klang, der nicht von dieser Welt ist... Ich folge
ihm, ich erkenne ihn trotz der Dunkelheit, wenn ich auch seine Gestalt
nicht sehen, nur spüren kann... diese rätselhafte Gestalt, dieses
Wesen mit der verführenden Menschenstimme, etwas zwischen Sterblichen
und Unsterblichen, ein Zwischenwesen, geflügelter Bote. Er reißt mich
an sich, nimmt mich, unbeherrscht, rücksichtslos. Ich weiß schon im
voraus, er wird lieben und gehen. Und da fühle ich an seiner rechten
Schulter die Narbe, die Verletzung, also doch... so war das also... Gegangen...
und doch kommt er wieder. Ein Andermal. Ich lese... und sehe keinen
Buchstaben mehr, nur ein leuchtendes Auge, welches den Text schreibt, in
meinen Augen erscheinen lässt; sein Text, sein Auge; und ich höre plötzlich
seine Stimme dicht an meinem Ohr... "ja"... "lies!"
"lies im Auge des Sehers" und die Bilder sind in diesem Auge,
dieser Kristallkugel des Wahrsagers... Es
verbrennt ein Schmetterling sich die Flügel an der Fackel, er ist ihr
zu nahe gekommen... Not love but war. Krieg: Es WAR wahr. Jedenfalls: Die Gewehrsalven sind endgültiger als der Flügelschlag des Schmetterlings. (Dagmar
Travner, 1993). |