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Dagmar Travner
LISA |
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Sie
erzählte mir von dem Riesensieb. Ich erinnere mich noch gut daran.
Relativ gut. Gut dafür, dass es Jahre her ist und die Geschichte, ihre
und die, die sie mir erzählte, keine Wichtigkeit besaß. Es war einfach
ein schöner Herbsttag. So wie jetzt. Wie heute. Warm. Wo man dankbar ist
für jeden Sonnenstrahl, bevor der Nebel kommt. Altweibersommer. Wir saßen
also draußen im Stein bei den letzten zu erwartenden Sonnenstrahlen.
Hatten uns erst vor ein paar Tagen kennen gelernt. Wie da halt so die
Faszination wirkt, wenn man sich schrittweise kennen
lernt und Gemeinsamkeiten entdeckt. Passé, passiert: so oder so,
durch ein Sieb oder die Vergangenheit. Na ja, fällt mir jetzt grad so
ein, der Schmarrn... meine Güte, warum fällt mir bloß wieder diese
verflossene Siebgeschichte wieder ein. Gedanken die einem zufliegen. Nicht
lenkbar. Denn zumindest kommt dann das entsprechende Nicht auf einen zu. Schrittweise:
Un Pas oder Non, Pas du Tout. Salopp übersetzt mit: "Ein Schaß",
chassé, oder "Nein, Nichts von Allem". So was passiert eben. Direkt durchs Sieb.
Durch passiert. Quasi eine Passage durch das unendlich Kleine, Feine. Zurück zu Lisa. Denn die
Dekonstruktion, oder Re-Konstruktion der Geschichte verläuft in diskreten
schnellen Schritten. Ein Mann, der an dem Sieb baumelte. Der sich an einer Hand in den Maschen festkrallte. Mit letzter Kraft. Unter ihm der Abgrund. Hielt eine riesengroße Frau das Sieb mit beiden Händen fest. Eine Riesin oder eine normalgroße Frau und ein geschrumpfter Mann. Ein geschrumpfter Mann. Natürlich. Ganz klar. Aber wie war er da hinein und durchgeraten? Passiert! Beutelte die Frau das Sieb auch noch mit kleinen heftigen Stößen? Spielerisch? Höhnisch? Jeden Augenblick seiner Not auskostend? Ich weiß es nicht mehr. Ja, vielleicht schreibe ich diese Geschichte jetzt nieder, um mich an sie zu erinnern. An die ganze Geschichte und an Lisa. Ganz. Entglitten. Sie ist mit wohl entglitten, Lisa, und durch ihre ebenfalls entglittene Geschichte versuche ich mich wieder an sie zu erinnern. Lisa hat diese ihre Geschichte nie geschrieben, damit meine ich aufgeschrieben, niedergeschrieben, in eine materielle Form gebracht. Weder in spitzen Tintenhügeln auf Papier noch in elektronische Impulse verwandelt. Nichts. Schrift im Kopf. Das genüge, um Schriftstellerin zu sein, pflegte sie zu sagen. Schrift im Kopf ergibt eine Erzählung, und wenn sie erzählt wird, ein Stück, einen Roman. Und ich maße mir nun an, ihre Kurzgeschichte stückweise zu materialisieren, ein Fragment von Lisa aus der bruchstückhaften Erinnerung neu zu erschaffen. Wahrscheinlich habe ich ihr nie richtig zugehört.. Wird eine Fortsetzung folgen? |
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